Wen interessiert der „Pflege-TÜV“ eigentlich?

Seit 2009 zieht der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) durch das Land und führt flächendeckende Qualitätsprüfungen in stationären und ambulanten Pflegeunternehmen durch, der sogenannte „Pflege-TÜV“. Die Note, die dabei heraus kommt, ist den Schulnoten ähnlich und könnte so eigentlich eine Entscheidungsgrundlage für oder gegen einen Pflegedienst oder ein Altenheim geben. Bloß, die Pflegenoten interessieren die Patienten und Bewohner kaum.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die im Rahmen des „Gesundheitsmonitors 2011“ der Bertelsmann-Stiftung von Prof. Dr. Max Geraedts durchgeführt wurde. Ein Ergebnis ist, dass bisher lediglich oder schon 41% der Befragten den „Pflege-TÜV“ kennen. Das heißt aber auch, dass schließlich noch mehr als die Hälfte der Bevölkerung ihn noch nicht kennen. Nun gut, das mag sich mit der Zeit ändern und ist durch gute Öffentlichkeitsarbeit zu fördern. Doch die Studie stellt auch fest, dass selbst wenn die Qualitätsprüfungen des MDK gekannt werden, spielen sie für die Menschen keine entscheidende Rolle bei der Wahl eines Altenheims oder eines Pflegedienstes. Viel mehr orientieren sie sich an der Anzahl der im Pflegeunternehmen beschäftigten Pflegekräfte, an ihrer Freundlichkeit und Zugewandtheit, ihre Ausbildung und an der Zeit, die sie für die Pflege haben. Sie treffen ihre Entscheidung für oder gegen ein Pflegeunternehmen anhand ihres eigenen Eindrucks und der Gespräche, die sie führen.

Es drängt sich die Frage auf: „Was soll dann der Pflege-TÜV“? Es ist der Versuch, für eine hoch personengebundene Dienstleistung objektive Qualitätsmaßstäbe zu erhalten, die eine Entscheidungshilfe für die pflegebedürftigen Menschen und ihre Angehörigen sein sollen. Die Absicht ist durchaus löblich, doch ist es bisher beim Versuch geblieben. Eine Hilfe bieten die Ergebnisse des Pflege-TÜV offensichtlich noch nicht. Die Ergebnisse der Studie lassen die Vermutung zu, dass es den Menschen, die auf pflegerische Leistungen angewiesen sind, vielleicht weniger auf objektive Kriterien ankommt, als vielmehr auf die eigene Erfahrungen und vielleicht die Erfahrungen anderer vertrauenswürdiger Personen. Dies würde allerdings ein völlig anderes Herangehen an den Beurteilung der Pflegequalität bedeuten, das mit unserem derzeitig vorherrschenden Qualitätsverständnis bricht. Es geht mehr um Vertrauen zum Erbringer einer Leistung und der eigenen Erfahrung als objektiven Kriterien. John Guaspari hat dies im Titel seiner modernen Fabel über Qualität so ausgedrückt: „Ich weiß es, wenn ich’s sehe“.

 

Autor dieses Blogbeitrags:
Werner Thomas

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