Warum das System Altenheim am Ende ist

Wenn ich es nicht drei Mal gelesen hätte, ich würde es nicht glauben: Die Caritas in Osnabrück will die Löhne der Mitarbeiter von Altenheimen um vier Prozent senken! Wobei zunächst sogar von fünf Prozent die Rede war…..

Dazu sagte der Caritasdirektor für die Diözese Osnabrück, Franz Loth: „Wir stellen uns bewusst gegen Lohndumping und wollen qualifizierte Arbeit auch angemessen vergüten. Zugleich kämpfen unsere Einrichtungen aber um das wirtschaftliche Überleben.“

Da hören wir fast täglich in der öffentlichen Diskussion um die Pflege die Forderung, der Pflegeberuf müsse attraktiver werden. Das wird er ganz sicher, wenn der Lohn für einen physisch und psychisch aufreibenden Job, der ohnehin schon nicht gut bezahlt wird, gesenkt statt erhöht wird! Das Signal dahinter lautet etwa so: De facto sind die Mitarbeiter völlig egal, wer gehen will, der soll halt gehen. Und: Heime sind ohnehin das letzte Glied in der Kette, da kann man dann auch die Löhne senken. So weit die Botschaft.

Natürlich verweist die Caritas Osnabrück in diesem Zusammenhang auf die Politik, und dieser Hinweis ist leider berechtigt. Niedersachsen ist – jedenfalls innerhalb der alten Bundesrepublik – DAS Billigland in Sachen Pflege. Die durchschnittliche Vergütung für vollstationäre Dauerpflege beträgt hier mehr als 600 (!) Euro pro Monat weniger als beispielsweise in NRW. Auch das – hier hat die Caritas recht – ist ein Grund für die Unterfinanzierung der Pflege.

Was uns das Beispiel Niedersachsen lehrt? Das Politik, Pflegekassen und Träger den Pflegeberuf in Wahrheit gar nicht attraktiver machen wollen. Oder jedenfalls nur, wenn es nichts kostet.

Es kommt in der hoch emotional aufgeladenen Diskussion um die Zukunft der Pflege auch auf Symbole und Signale an. Und das Signal, das die Caritas in Osnabrück aussendet, ist verheerend. Außerdem: Wenn sich Heime nur noch mit Hilfe von massiver Lohndrückerei wirtschaftlich betreiben lassen, dann sollte ein (christlicher) Träger wie die Caritas selbst die Frage aufwerfen, ob das System Heim nicht grundsätzlich am Ende ist.

Irgendwie drängt sich der Verdacht auf, dass die Geschichte der Pflegeheime endet wie die Geschichte der DDR: Das System geht nicht an der eigenen Unmenschlichkeit zugrunde, sondern es macht einfach irgendwann pleite.

 

Christoph Lixenfeld

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