Warum das nicht so einfach ist mit Claus Fusseks “Wutbürger für die Pflege”

Der bekannte Pflegekritiker Claus Fussek hat in einem Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung gefordert, dass die Bevölkerung mehr Druck auf die Politik machen soll, damit diese handelt. “Wo sind die Wutbürger?”, fragt Fussek. Das Thema Pflege werde “von den Bürgern nicht eingefordert. Wir protestieren lieber für die artgerecht Haltung von Delfinen im Zoo.”

Schöne Worte. Aber so einfach liegen die Dinge nicht. Pflege ist ein Thema, das Schamgefühle, Ängste, Betroffenheit, Trauer etc. berührt. Kein Menschen trägt solche Gefühle auf die Straße. Und von der Politik kann man erwarten, dass sie auch dann handelt, wenn es keine Massenproteste für eine andere Pflegepolitik gibt. Schließlich leben wir in einer repräsentativen Demokratie.

Und, da hat Claus Fussek wiederum sehr recht, wir haben kein Erkenntnisproblem. Vor allem nicht bei den Bürgern. Die wissen, dass die Pflege teurer wird, also kann die Politik auch offen mit der Tatsache umgehen. Statt in vorauseilender Unterwerfung unter den vermuteten Bürgerwillen irgendwelchen Mist beschließen zu wollen. Jüngstes Beispiel: Viele Politiker glauben immer noch, sie bekämen mehr Stimmen, wenn sie Steuersenkungen versprechen. Dabei sagen alle Befragungen, dass den Menschen Schuldenabbau viel wichtiger ist. Ich bin sicher: Die Wähler würden ohne Murren mehr Geld für die Pflege bezahlen, wenn es dafür endlich bessere, 100-Prozentig legale, unbürokratische, an den Bedürfnissen der Menschen orientierte Lösungen gäbe.

 

Christoph Lixenfeld

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