Pflegen? Kann doch jeder!

Ich finde man sollte an dieser Stelle nochmal jenseits aller manchmal komplizieren Pressemitteilungs-Formulierungen sagen, warum der Pflege-Vorstoß der Unionsfraktion ziemlicher Unsinn ist. Die Idee lautet grob zusammengefaßt: In Zukunft darf jeder Menschen in deutschen Familien Pflegebedürftige pflegen. Herkunft egal, Ausbildung egal, Deutschkenntnisse egal, alles egal. Hauptsache schnell herkommen und billich billich arbeiten. Und damits auch wirklich billig wird, zahlt die Pflegeversicherung noch die Sozialabgaben.

Übertragen auf – sagen wir mal – die Baubranche würde das heißen: Wir laden ganz viele Arbeiter aus aller Welt ein weil wir keine eigenen mehr haben, und diese Gäste schippen dann Sand, mischen Beton und ziehen Wände hoch. Das kleine Problem dabei: Es geht hier nich um Sand und um Wände, sondern um Menschen.

Und um nicht missverstanden zu werden: Angst macht mir die Sache nicht, weil besagte Menschen eventuell aus der Ukraine oder aus Kasachstan kommen, weil ich nämlich nicht glaube, dass Ukrainer schlecher pflegen als Deutsche oder dass Kasachen ihre Mitmenschen schlechter Behandeln als Deutsche. Das Problem ist aber, dass der Unionsvorschlag, wie er aktuell vorliegt, es praktisch unmöglich macht, zu kontrollieren, ob besagte Menschen ausreichend deutsch sprechen oder ob sie für den Job einigermaßen geeignet sind.

Denn die Pflegekräfte aus aller Welt sollen als Angestellte in den Familien arbeiten. Und hier entsteht zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ein massives Abhängigkeitsverhältnis, in das sich auch kein Dritter einmischen kann. Wenn die Caritas oder andere jetzt behaupten, sie würden Angestellte „vermitteln“ und „kontrollieren“, dass alles mit rechten Dingen zugeht, dann ist das Augenwischerei. Auf welcher rechtlichen Grundlage soll diese Kontrolle denn geschehen? Die Caritas ist keine Gewerkschaft, kein Arbeitgeberverand und keine Leiharbeitsfirma, die Familien brauchen rechtlich noch nicht mal die Tür aufzumachen, wenn ein solcher selbst erannnter Kontrolleur davor steht.

Sicher, die Union will eine Art Mindestlohn für die diese Kräfte von 800 bis 1000 Euro einführen, erst dann sollen die Sozialabgaben von der Kasse bezahlt werden. Was aber spricht dagegen, auf dem Papier 1000 Euro zu bezahlen und auch für 1000 Euro Sozialabgaben zu kassieren, tatsächlich aber nur 600 Euro zu bezahlen? Und bestimmt findet sich auch jemand, der den Job für 400 Euro macht, vor allem wenn für diesen jemand die 400 viermal so viel sind wie der übliche Monatslohn in seiner Heimat.

Und genau diese Art von Konkurrenz nützt niemandem, beziehungsweise im schlimmsten Fall nützt sie jenen Familien, die die Oma schon immer so billig wie möglich versorgen lassen wollten.

Das kann aber wohl kaum das Ziel sein.

Außerdem fragt es sich natürlich, warum die Unionsfraktion unbedingt das Kind mit dem Bade ausschütten muss. Jahrelang hat man die vielen SchwarzarbeiterInnen zum Wohle der Pflegekassen hingenommen. Wer vom Zoll erwischt wurde: Pech gehabt oder einfach zu doof gewesen. Bei allen anderen hieß die Devise: Augen zu und durch. Warum also nicht jetzt erstmal jene 100.000 – meist – Polinnen legalisieren, die schon in Deutschland sind und die dazugehörigen Familien amnestieren. Diese Strukturen sind seit Jahren erprobt und sie funktionieren, also warum nicht sie nutzen. Die betreffenden Pflegekräfte haben mittlerweile viel Erfahrung, die meisten sprechen Deutsch. Und für den Job Ungeeignete hat der Markt zum Teil aussortiert.

Natürlich spricht nichts dagegen, dass in der Altenbreuung in Deutschland irgendwann auch Ukrainerinnen arbeiten. Aber es spricht alles dagegen, dass Menschen zu Hause von Angestellten versorgt werden, die niemand kontrolliert und deren Eignung niemand überprüft.

Natürlich, die pflegenden Angehörigen kontrolliert auch niemand. Gerade deshalb sollte man den Pflegebedürftigen nicht noch einen weiteren Risikofaktor zumuten.

 

Christoph Lixenfeld

Keine Kommentare

Hinterlasse eine Antwort