Pflegediskussion bei Anne Will: Wir ignorieren weiter

Mal abgesehen davon, dass die gefühlt dreihundertsiebzigste TV-Diskussion zum Thema Pflege wie befürchtet nichts Neues bot, und abgesehen davon, dass ich mich fragte, warum niemand den neuen Gesundheitsminister Bahr auf das hektische Verschieden der Pflegereform ansprach: Irgendwie scheint das Verdrängen und Ignorieren des Legalitätsproblems wohl niemals ein Ende zu nehmen. Da sagte doch wahrhaftig eine der geladenen Journalistinnen, sie halte nicht so viel davon, die SchwarzarbeiterInnen zu legalisieren, weil wir – sinngemäß – ja das Pflegeproblem nicht auf Billigkräfte verlagern könnten. Statt dessen sollten die heimischen Kräfte besser bezahlt werden. Wohlgemerkt ging es hier um 24-Stunden-Betreuung, und drei Sätze vorher hatte die Inhaberin eines Pflegedienstes gesagt, mit deutschen Kräften koste so eine Betreuung 13.000 Euro im Monat. Theoretisch. Praktisch würde besagte Unternehmerin sie gar nicht anbieten, weil das zu viel Personal binde und sich für den Pflegedienst nicht rechne.

So so. Und wenn wir die heimischen Kräfte besser bezahlen? Richtig: dann wird es noch teurer. Die Nachfrage nach bezahlbarer Betreuung ist so riesig in Deutschland, dass sich diese Nachfrage auf jedem Fall ein Angebot suchen wird. Legal, illegal, irgendwie. Sich gegen Legalisierung auszusprechen, ist deshalb unverantwortlich den betroffenen Familien gegenüber, weil die keine Wahl haben.

Seit mindestens zehn Jahren diskutieren wir über diesen Zusammenhang. Und wie es aussieht, wird uns diese Diskussion wohl leider noch lange erhalten bleiben. (Siehe dazu auch den Beitrag: „Kein Jahr der Pflege. Niemals.“)

Christoph Lixenfeld

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